EU-Transaktionsmeldung vor dem Umbruch: Was der neue ESMA-interim Report für die Praxis bedeutet - Be Shaping The Future

EU-Transaktionsmeldung vor dem Umbruch: Was der neue ESMA-interim Report für die Praxis bedeutet

Die europäische Regulierungslandschaft für Post Trade Reporting steht vor ihrer größten Reform seit Jahren. Am 4. Mai 2026 hat die European Securities and Markets Authority (ESMA) ihren lang erwarteten Interim Report zum Call for Evidence (CfE) über die Vereinfachung der finanziellen Transaktionsmeldung veröffentlicht. Dieser Bericht ist kein Abschluss, er ist ein Zwischenstand. Der entscheidende Final Report folgt im Sommer 2026.

Wer im Bereich Compliance, Regulatorik oder Meldewesen tätig ist, sollte die Weichen jetzt stellen.

Der Status quo: Warum Handlungsbedarf besteht

Seit Jahren beklagen Marktteilnehmer die zunehmende Komplexität des regulatorischen Meldewesens in der EU. MiFIR, EMIR und SFTR verfolgen zwar unterschiedliche Aufsichtszwecke, überschneiden sich aber erheblich  in Inhalt, Terminologie und Prozessen. Das Ergebnis ist eine kostspielige Parallelwelt aus doppelten IT-Systemen, widersprüchlichen Datenanforderungen und ineffizienten Abläufen.

108 Stakeholder von Banken über Asset Manager bis zu Energieunternehmen und Aufsichtsbehörden haben auf ESMAs Call for Evidence reagiert. Die Botschaft ist eindeutig: Das aktuelle System ist nicht mehr tragbar. Die häufigsten Kritikpunkte:

  • Doppelte Meldepflichten: Dieselbe Transaktion wird mehrfach unter verschiedenen Regimen gemeldet oft mit leicht unterschiedlichen Feldern und Formaten.
  • Dual Sided Reporting : Unter EMIR und SFTR müssen beide Gegenparteien einer Transaktion unabhängig voneinander melden. Das führt zu Mismatches, aufwändigen Abstimmungsprozessen und unverhältnismäßigen Kosten insbesondere für kleinere Marktteilnehmer.
  • Fragmentierte Infrastruktur: Firmen unterhalten parallele Systeme für EMIR, MiFIR und SFTR, mit unterschiedlichen Validierungsregeln, Portalen und Ansprechpartnern bei NCAs.
  • Ständige Regeländerungen: Unsynchronisierte Updates der verschiedenen Regime erzwingen permanente IT-Anpassungen mit zu geringer Vorlaufzeiten.

Was der Interim Report konkret aussagt

Zwei Szenarien im Rennen , zwei fallen raus

ESMA hatte ursprünglich vier Vereinfachungsszenarien zur Diskussion gestellt. Das Ergebnis der Konsultation ist klar: Szenario 1b (ereignisbasierte Delineation) und Szenario 2b (erweitertes „Report Once“ inklusive REMIT und Solvency II) werden nicht weiterverfolgt. Beide erhielten kaum Unterstützung und wurden als zu komplex, zu kostspielig und zu wenig zielführend bewertet vom Markt.

Im Fokus bleiben:

Szenario 1a – Delineation nach Instrumententyp

OTC-Derivate werden unter EMIR gemeldet, Exchange Traded Derivatives (ETDs) exklusiv unter MiFIR. ESMA hat dieses Szenario inzwischen in drei Untervarianten konkretisiert:

  • mit und ohne Schema-Änderungen
  • mit und ohne partielle ETD/OTC-Trennung.

Allen gemeinsam: die Ausweitung der Delegationsmöglichkeiten und der Wegfall der TR-seitigen Reconciliationanforderungen. Implementierungszeitraum: bis zu 5 Jahre. Stakeholder sehen es als pragmatischen ersten Schritt mit überschaubaren Kosten.

Szenario 2a – „Report Once“-Prinzip

Das ambitioniertere Langfristziel: Eine einzige Meldung erfüllt gleichzeitig die Anforderungen von MiFIR, EMIR und SFTR. Dieses Modell würde Duplizierung an der Wurzel beseitigen und auch die Meldekanalstruktur grundlegend verändern. Implementierungszeitraum: 5–7 Jahre. Stakeholder begrüßen die Vision, knüpfen ihre Unterstützung aber an klare Governance, phased Rollout und eine robuste Kosten-Nutzen-Analyse.

Der präferierte Weg: Zunächst Szenario 1a als Übergangsschritt, dann schrittweiser Übergang zu Szenario 2a.

Das Dual-Reporting-Problem rückt ins Zentrum

In jeglicher Hinsicht ist dies die Crux für viele, die Revision des dual-seitigen Meldewesens. Reconciliation-Kosten, das aufwändige Matching und die Auflösung von Mismatches zwischen den Meldungen beider Gegenparteien werden als der primäre Kostentreiber im gesamten Meldewesen identifiziert.

ESMA wird im Rahmen der laufenden Kosten-Nutzen-Analyse konkret bewerten, wie eine Ausweitung der Delegationsmöglichkeiten und der Wegfall der Reconciliation-Pflichten auf TR-Ebene umgesetzt werden können — bei gleichzeitiger Wahrung der Datenqualität und Aufsichtsfähigkeit.

Zentralisierung der Meldekanäle als Voraussetzung

Rund 76 % der Befragten sprechen sich für eine stärkere Zentralisierung der Meldekanalstruktur aus. Die heutige Architektur mit parallelen Kanälen über TRs, ARMs, APAs und NCA-spezifische Portale wird als ineffizient empfunden.

Eine Verlagerung von Meldepflichten auf CCPs, insbesondere für geclearte ETD-Trades, wird mehrheitlich begrüßt. Die deutlich umstrittenere Frage, ob Trading Venues stärker in die Meldepflicht einbezogen werden sollen, wird ESMA hingegen nicht in die finalen Empfehlungen aufnehmen.

Vier überarbeitete Leitprinzipien

Auf Basis des Feedbacks wurden ESMAs Leitprinzipien für die Vereinfachung geschärft:

  1. Preserve information value: Nicht jedes Datenfeld muss erhalten bleiben, wohl aber der aufsichtliche Informationswert.
  2. Decrease overlaps : Überschneidungen zwischen Regimen aktiv abbauen.
  3. Pursue global alignment : Internationale Harmonisierung anstreben, aber realistisch bleiben.
  4. Balance costs and benefits : Kurz- und langfristige Kosten-Nutzen-Erwägungen gleichgewichtig berücksichtigen.

Was sich vorerst nicht ändert

Trotz des Reformdrucks gibt es klare Signale, was kurzfristig nicht zur Disposition steht:

Die tägliche T+1-Meldepflicht bleibt bestehen. Die übergroße Mehrheit der Stakeholder sieht sie als unverzichtbar für effektive Marktaufsicht und Krisenmanagement. Vereinfachungspotenzial liegt bei Feldinhalten und Prozessen nicht bei der Meldefrequenz.

Auch neue Technologien wie DLT oder Smart Contracts werden kurzfristig keine Rolle spielen. ESMA sieht diese Technologien als noch nicht ausgereift genug für den Pflichteinsatz im regulatorischen Reporting und wird stattdessen auf bewährte SupTech-Ansätze und Standardisierung setzen.

Kurzfristige Erleichterungen auf dem Weg

Unabhängig vom finalen Szenario hat ESMA eine Reihe von Maßnahmen identifiziert, die im Rahmen des Final Reports als Empfehlungen für mittelfristige Level-1-Änderungen vorgeschlagen werden sollen:

  • Verkürzung des Back-Reporting-Zeitraums von 5 auf 3 Jahre
  • Ausschluss von SFTs mit Zentralbanken aus dem MiFIR-Scope und Überführung in SFTR
  • Vereinfachung des Intragroup Reporting unter EMIR
  • Ausschluss bestimmter Corporate Actions aus dem MiFIR-Scope
  • Klarstellung des ETD-Meldescopes
  • Revision der SFTR-Meldepflicht für Settlement-Fehler

Diese Änderungen erfordern legislative Schritte durch Europäisches Parlament und Rat und sind daher frühestens mittelfristig wirksam.

Was das für Ihr Unternehmen bedeutet

Der Interim Report ist ein wichtiges Zwischensignal aber er ist noch keine finale Festlegung. Die Richtung ist klar, die Ausgestaltung wird im Sommer konkretisiert. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um intern vorzubereiten:

Bestandsaufnahme der aktuellen Meldearchitektur: Wo bestehen heute Überschneidungen zwischen EMIR, MiFIR und SFTR? Welche Systeme und Prozesse wären von einer Delineation nach Instrumententyp (Szenario 1a) betroffen?

Kostentransparenz beim Dual-Reporting herstellen: ESMA hat Reconciliation-Kosten als zentralen Belastungsfaktor identifiziert. Firmen, die diese Kosten intern noch nicht isoliert haben, sollten dies jetzt tun sowohl um die kommenden CBA-Ergebnisse einordnen zu können.

Governance und Change-Management vorbereiten: Beide verbleibenden Szenarien erfordern erhebliche IT-Anpassungen. Szenario 2a mit einem 5–7-Jahres-Horizont ist kein fernes Projekt mehr es ist ein konkreter strategischer Planungshorizont.

Der nächste große Schritt: Final Report im Sommer 2026

Der ESMA Final Report soll bis Juli 2026 veröffentlicht werden und der Europäischen Kommission übergeben werden.

Er wird konkrete Empfehlungen für Gesetzgebungsänderungen auf Level-1-Ebene enthalten sowie eine vollständige, unabhängige Kosten-Nutzen-Analyse, die 30 Unternehmen aus vier Sektoren einbezieht. Auf dieser Basis wird die Europäische Kommission voraussichtlich Gesetzgebungsvorschläge zur Änderung von MiFIR, EMIR und SFTR entwickeln.

Unsere Empfehlung: Verfolgen Sie die Veröffentlichung aktiv. Der Final Report wird die konkreten Weichenstellungen liefern, die heute noch offen sind , insbesondere zur genauen Ausgestaltung der Dual-Reporting-Reform und zur Meldekanalstruktur.

Wer sich frühzeitig mit den Auswirkungen der ESMA-Vorschläge auseinandersetzt, kann regulatorische Veränderungen nicht nur reaktiv umsetzen, sondern aktiv zur Prozess- und Systemoptimierung nutzen. BE begleitet Finanzinstitute bei der Analyse bestehender Reporting-Landschaften, der Identifikation regulatorischer und operativer Gaps sowie der Ableitung belastbarer Zielbilder, gestützt durch die praktische Erfahrung aus TecconTR im regulatorischen Reporting.

 

 

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